Wie integriert man behinderte Kinder?
Selbst ernannte Experten für diese Frage gibt es zuhauf, gut ausgebildete hingegen kaum. Deshalb bietet die Hochschule Fulda seit Kurzem den Studiengang »Frühkindliche inklusive Bildung« an.
Wie integriert man behinderte Kinder?
Selbst ernannte Experten für diese Frage gibt es zuhauf, gut ausgebildete hingegen kaum. Deshalb bietet die Hochschule Fulda seit Kurzem den Studiengang »Frühkindliche inklusive Bildung« an.
Zwischen diesen Polen wird die Wahrheit und die Realität irgendwo liegen.
„Die 21 Kinder lösen Arbeitsblätter in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, alleine oder in der Gruppe, jedes in seinem Tempo. In der Klasse sind sieben Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die meisten von ihnen haben eine Lernschwäche; vier andere waren bis vor kurzem auf dem Gymnasium. Die 6a ist eine Inklusionsklasse. Sie wird fast in allen Fächern von zwei Lehrern unterrichtet, einer Sonderpädagogin und einem Regelschullehrer, doch wer welches Etikett trägt, wissen die Kinder nicht so genau: Sie haben einfach zwei Klassenlehrer.
[...]
Und dann nennt er ein paar Bedingungen, die zum Gelingen von inklusivem Unterricht nötig seien, wie etwa kleine Klassen und ein gutes Lehrerteam, das harmoniere. Aber Inklusion, sagt Feige, finde auch im Kopf statt.
[...]
Die Mutter hatte sich damals, als Emma eingeschult werden sollte, bewusst für die Regelschule entschieden – und sie glaubt, dass es schulisch die richtige Entscheidung war: Emma habe sehr viel von den anderen Kindern profitiert. Und doch hat die Mutter den Gedanken an die Förderschule nicht ganz bei Seite gelegt. Sie wird immer dann zur Option, wenn ihre Tochter desillusioniert von der Schule nach Hause kommt und erzählt, dass sie wieder nicht zum Geburtstag von Freunden eingeladen worden sei. Die soziale Integration, sagt die Mutter, lasse sich eben nicht mit Gesetzen regeln.
Interview mit Mathias Brodkorb, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern.
Brodkorb sieht die aktuelle Diskussion zwischen guter Integration und radikaler Inklusionsforderung hin und her schaukeln. Er kommt dabei zu einer erstaunlichen Frage:
Titel: „Fördert die Inklusion neue Etikettierung?”
Starke These oder stark überzogene These?
Die Diskussion zur Inklusion ist über weite Strecken eine übertriebene Inszenierung.
„Nicht jede begriffliche Selbstinszenierung , die von einigen ambitionierten Wissenschaftlern produziert wird, ist auch wert, wirklich zur neuen fundamentalen Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung gemacht zu werden.”
Der Sohn von Leserin S. Evermanns ist behindert und soll bald zur Schule. Die Mutter steht vor einer schwierigen Entscheidung: Soll ihr Kind auf eine Sonderschule?
„Wenn mich jemand fragt, ob ich mein Kind nicht auf die normale Grundschule schicken möchte, dann antworte ich: Nein. Aber das bedeutet nicht, dass ich den Gedanken der Inklusion verwerfe. Im Gegenteil: Wir müssen daran arbeiten, dass es Schulen gibt, an denen behinderte und nicht behinderte Kinder zusammen lernen, leben und spielen. Diese Schulen müssen aber beides ermöglichen: normale Klassen und Sonderklassen mit individuellem Förderbedarf. Sonderklassen sollten nicht abgeschafft werden. Denn einige behinderte Kinder brauchen diese Unterrichtsform. Es ist ihr Recht, langsam lernen zu dürfen.”
Es herrscht Einigkeit darüber, viel mehr Förderschüler an Regelschulen zu unterrichten – aber die Art und Weise ist strittig. Soziale Integration stellt sich dadurch nicht automatisch ein.
Ein Artikel in der FAZ von Nina Belz vom 11.04.2012
Wenn alle Inklusion befürworten und alle die gleichen Probleme benennen, warum geht dann nicht einer die Probleme mal wirklich an?
Es „[...] können tatsächlich nicht alle mit dem Tempo mithalten, das die Behörde [Bremen] vorlegt. Über die Probleme, die ein so schneller Wandel für sie mitbringt, wollen Bremer Pädagogen meist nicht öffentlich sprechen, [...] Regelschullehrer berichten von der deutlichen Mehrbelastung, der unzureichenden Ausbildung und der damit verbundenen Unsicherheit im Umgang mit Förderschülern, von fehlenden Lernmaterialien und Räumlichkeiten für einen differenzierten Unterricht. „Auch wenn sie die Reform grundsätzlich befürworten, das Tempo hat viele Kollegen sehr mitgenommen“, sagt er, bekräftigt aber, Inklusion sei trotz allem der richtige Weg. Damit sie gelingen könne, müssten allerdings an vielen Schulen die räumlichen und personellen Bedingungen erheblich verbessert werden.” (Unterstreichungen von mir)
ist das Fachportal für pädagogische Fachkräfte aus dem Bereich der frühkindlichen Bildung.Ein Projekt von Schulen ans Netz e.V.
Eine Themenauswahl
„Das System muss sich den Kindern anpassen”
Vielfalt wertschätzen und bewusst herbeiführen – das will die inklusive Pädagogik. Deutschland hat sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenkonvention diesem Konzept verpflichtet, setzt es aber nur zögerlich um.
„Inklusion muss sich im gesamten Curriculum widerspiegeln”
Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland (früh)pädagogische Studiengänge mit dem Schwerpunkt Inklusion. Aber es sind noch zu wenige, wie Timm Albers im Interview betont.
…
Zur Seite Bibernetz …
Nach einem Hinweis von M.Spieß im Materialteil von rpi
Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung nennt konkret belastbare Zahlen dafür, was Inklusion kosten wird.
Aber Geld ist nur das Problem der Eisbergspitze, denn hinter den 660 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr verbergen sich 9.300 neue Lehrerstellen.
Geld kann man sich zur Not leihen. Lehrer nicht.
Und die sind jetzt schon nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Auch Sonderpädagogen nicht.
Einige Grundgedanken und -annahmen der Studie:
Zum Artikel und den Berechnungen für die einzelnen Bundesländer …
Zum Bericht auf spiegel-online mit lesenswerten Kommentaren in vox populi …
Zum Kommentar des Deutschen Philologenverbandes —
“Die Höhe der Inklusionsquote sagt für sich noch überhaupt nichts aus über die Qualität der inklusiven Beschulung. Italien hat beispielsweise ein hohe Inklusionsquote, aber eine nachweislich schlechtere Förderung behinderter Kinder als Deutschland.”
Der Gemeinsame Unterricht in den weiterführenden Schulen verfehlt ohne Steuerung und Implementationsstrategie das Ziel der Inklusion
ein Artikel von Brigitte Schumann.
Inhaltsverzeichnis
In der Reihe KINDER ZEIT für die Schule in Zusammenarbeit mit der Peter Ustinow Stiftung wurden im Oktober 2011
Arbeitsblätter zum Thema „Leben mit Behinderung” für die Klassen 1 – 7 zur Verfügung gestellt.
Sicherlich auch ein Beitrag zu mehr Inklusion in den Klassenzimmern.
Vortrag von Dipl.-Päd. Barbara Manschmidt v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel anlässlich des Neujahrsempfangs des Superintendenten des Kirchenkreises Hamm am 14.02.2012 mit dem Titel:
„Inklusion: Ja. Wie der reinen Lehre eine Erdung geben?”
Zur einführenden Seite … Direkt zum Vortrag …
Man muss sich etwas Zeit nehmen und den Artikel mindestens bis Seite 3 lesen und immer wieder bedenken, dass es auch um die Darstellung der Arbeit in Bethel geht. Aber auch diese Passagen sind es wert.
Leseproben:
Es geht darum, dass wir diese wirksamen Inseln mit festem Boden versehen, dass wir tragfähiges Land dazu gewinnen, es geht darum sie zu vergrößern, sie abzusichern und darauf aufzupassen, dass kein Kind im Strom rechts und links daneben untergeht. Ich sage das deshalb so deutlich, weil auch inklusiv arbeitende Schulen in der Regel ihre Grenzen definieren – müssen – und was ist mit dem Schüler, der die Grenzen sprengt?Wir müssen Bedingungen und Notwendigkeiten für Inklusion genau betrachten und dürfen nicht aus Mainstreamgründen Institutionen schließen, ohne bessere zu öffnen. Wir dürfen nicht Menschen dabei übersehen, die aus diesem Umbauprozess herausfallen. Auf diese müssen wir ganz besonders achten.
Ich möchte, dass es möglich ist, differenziert darüber zu sprechen. Aktuell ist es häufig so, dass in dem Moment, in dem jemand etwas anderes sagt als: Inklusion ist ein Muss und zwar sofort, derjenige als Zweifler, als Verhinderer, als gestriger Sonderpädagoge oder als gymnasialer Lehrer, der sich mit seiner Fachlichkeit begnügen und sich nicht mit Slow-Learnern befassen will, angesehen wird. Das ist nicht richtig.
Lassen Sie mich am Ende meines Vortrags feststellen:
Gemeinschaft verwirklichen an verschiedenen Orten, die am meisten förderliche Umgebung gestalten, Inklusion im Kindergarten beginnen und gemeinsame Lernorte gestalten, aber auch die Möglichkeit einer sanften Integration bereit halten, für Kinder, für die die Bedingungen in einer Förderschule, abgestimmt auf den Förderbedarf, temporär oder langfristig günstiger sind.Wenn der Weg begonnen wurde, werden pädagogische Fantasie und der Wille es gut zu machen immer selbstverständlicher werden. Nicht nur aus Gründen der Umsetzung der BRK, nein, weil es uns ein Anliegen sein muss, alle Kinder und
Jugendlichen unserer Gesellschaft ihren Möglichkeiten entsprechend zu fordern und zu fördern, ist die Teilhabe an schulischer Bildung, die Gemeinsamkeit mit allen anderen, das Verständnis für Menschen mit Behinderungen als gleichwertige Mitglieder unserer Gesellschaft zu fördern und zu stützen.